6 Monitore an einem Computer - Testaufbau

Nachdem wir mehrere Kundenanfragen diesbezüglich hatten, haben wir uns entschlossen, einen Selbstversuch zu starten. In jedem besseren Webforum ist zu lesen, dass es grundsätzlich gar kein Problem darstellt, mehrere Grafikkarten in einem Computer zu betreiben - und damit vier oder auch sechs Bildschirme an einem Rechner zu nutzen.

Während in diesen Foreneinträgen die Nachfrager ("Wer braucht denn bitteschön VIER Bildschirme???") meist spöttische Kommentare ernten, haben wir beim Digital Signage eine echte und wichtige Anwendung: Es kann in verschiedenen Situationen durchaus von Vorteil sein, für mehr als zwei Displays nur einen PC einsetzen zu müssen.

Warum also nicht, wenn es doch so einfach ist, einen Versuchsaufbau wagen?

***** Materialeinkauf *****

Zunächst machte sich jedoch bereits bei der Hardware-Beschaffung große Ernüchterung breit. Mainboards mit drei PCIe-X16 Slots sind selten und nicht ganz günstig (derzeit ab ca. 120€); für einen Test mit ungewissem Ausgang schien uns das etwas teuer. Solche Boards findet man übrigens unter dem Stichwort "SLI-Mainboard", falls man drei PCIe-X16 Grafikkarten einsetzen möchte sucht man am besten nach einem "Triple SLI Mainboard".

Auch recht schwierig, aber immerhin nicht ganz so aussichtslos war die Suche nach PCI-Grafikkarten. Bei den lokalen PC-Händlern ernteten wir verständnisloses Kopfschütteln und die Frage, ob wir nicht vielleicht einen AGP-Port frei hätten. Die Sache mit den gewünschten zwei Grafikkarten rief deutliche Skepsis hervor. Zum Glück haben einige Online-Händler noch PCI-Grafikkarten.

Dann haben wir noch ein ganz feines Gerät gefunden: Eine Grafikkarte für den PCIe-X1 Steckplatz. Unser Testrechner von HP hat 1x PCIe-X16, 2x PCIe-X1 und 1x PCI. Der Hersteller "Club3D" bietet die NVidia-Grafikkarte 8400GS als PCI-E x1 Version an (8400GS PCI-E x1 Edition).

**** Baubeginn *****
Unser HP-PC schaltet von vornherein die onBoard-Grafik ab, sobald eine Grafikkarte im System erkannt wird. So können wir die onBoard-Grafikkarte schon einmal nicht für zusätzliche Bildschirme benutzen.

Da die bestellten Grafikkarten auf sich warten ließen, haben wir zunächst mit dem experimentiert, was noch im Lager zu finden war.
Auf unserem Testrechner lief noch Windows Vista. Alle Versuche, eine PCI Grafikkarte gemeinsam mit einer PCIe-X16 Grafikkarte zum Laufen zu bringen, schlugen fehl.
Nachdem mehrere unbestätigte Fundstellen im Web darauf hinweisen, dass unter Vista der Betrieb mehrerer Grafikkarten äußerst problematisch ist, sind wir zunächst auf Windows 7 umgestiegen. Bei Microsoft stößt man dann nach einiger Recherche auf folgendes Dokument:

http://www.microsoft.com/whdc/device/display/multimonVista.mspx

Dieses dürfte so auch für Windows7 gelten. Kurz zusammengefasst gibt es das Windows XP Treibermodell (XPDM) und das Windows Vista Treibermodell (WDDM). Laut Microsoft funktioniert der Multimonitorbetrieb mit mehreren Grafikkarten nur dann, wenn alle Grafikkarten Treiber aus demselben Treibermodell verwenden. Die Art des Busses (PCIe, AGP oder PCI) dagegen sei nicht relevant.
Das erklärt, warum unsere PCI Grafikkarte nicht mit der PCIe-X16 Karte zusammenspielen wollte - und zwar weder unter Windows Vista, noch unter Windows7: Für die ältere PCI Grafikkarte gab es nur XPDM Treiber, für die neuere lediglich WDDM-Treiber.

Möglicherweise hätten die beiden Grafikkarten unter Windows XP zusammen funktioniert - das haben wir nicht getestet.

Unser nächster Test konnte nach Eintreffen der NVidia PCIe-X1 Grafikkarte gestartet werden. Die Karte wurde sofort von Windows7 erkannt; nach einem Neustart waren vier Bildschirme in Betrieb und einstellbar - eine Installation der aktuellen Treiber von der Website brachte wie erwartet die erweiterten Einstellungsmöglichkeiten.

==> Erfolgreicher Betrieb von vier Bildschirmen an einem PC mittels einer NVidia 6200LE PCIe-X16 und einer NVidia 8400GS PCIe-X1

Der Ordnung halber haben wir das ganze noch mit einer PCI-Grafikkarte anstelle der PCIe-X1 Grafikkarte ausprobiert - hierfür stand uns eine NVidia GeForce 5200 zur Verfügung. Auch hier gab es keine Probleme - wenn man davon absieht, dass die Darstellung der Aero-Effekte mit dieser Karte nicht möglich ist.

==> Erfolgreicher Betrieb von vier Bildschirmen an einem PC mittels einer NVidia 6200LE PCIe-X16 und einer NVidia GeForce 5200 PCI

***** Bildschirminhalt drehen *****

Während bei Einsatz der aktuelleren PCIe-X1 Karte per NVidia Control Panel Bildschirminhalte auf einzelnen Bildschirmen um 90°, 180° oder 270° gedreht werden konnten, war dies mit der älteren PCI-Karte nicht möglich; das NVidia Control Panel ließ sich nicht starten.

***** 6 Bildschirme an einem Rechner? ******
Die Aussicht an unserem Arbeitsplatz über vier Bildschirme war so beeindruckend, dass es uns natürlich in den Fingern gejuckt hat, alle drei Karten gleichzeitig im PC zu verwenden und sechs Bildschirme auf den Tisch zu stellen.

Hierbei gab es allerdings Probleme; entweder die PCIe-X1 Karte lief, oder die PCI-Karte - je nachdem, welcher Treiber zuletzt installiert wurde. Die jeweils nicht funktionierende Karte wurde zwar im Gerätemanager aufgelistet, war jedoch mit einem gelben Ausrufezeichen markiert. Wir haben an dieser Stelle keine weiteren Nachforschungen angestellt; in Anbetracht der deutlich besseren Aussichten, mit Hilfe einer zweiten PCIe-X1 Grafikkarte auf sechs Bildschirme zu kommen, haben wir lieber eine zweite 8400GS bestellt.

Nachdem die dritte Grafikkarte eingetroffen und eingebaut ist, das Ergebnis: Bis zu sechs Monitore lassen sich problemlos an dieser PC/Grafikkarten-Konstellation betreiben. Sicherlich gibt es mit dem Abspielen von Videos oder 3D-Inhalten das eine oder andere Problem - grundsätzlich aber sind die sechs Monitore günstig und einfach anschließbar.

***** Unklarheiten *****
Der Microsoft-Artikel listet alle Kombinationen auf, in denen mehrere Grafikkarten in einem Computer einsetzbar sind. Dabei fällt auf, dass in allen Beispielen die Grafikkarten denselben WDDM Treiber nutzen.
Ob und inwieweit unter Windows 7 NVidia und ATI Grafikkarten gleichzeitig eingesetzt werden können, wird weder explizit ausgeschlossen, noch explizit bestätigt. Testergebnisse wären hier interessant.
Nicht erwähnt wird außerdem, wie es mit Grafikkarten mit XPDM Treibern aussieht - möglicherweise funktionieren mit XPDM Treibern auch andere Konstellationen.
Letztendlich wären natürlich Ergebnisse zu Windows XP interessant - insbesondere im Vergleich zu Vista und 7.